„Eine Persönlichkeit mit Innovationsgeist, unternehmerischer Stärke und einem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Verantwortung“ – 2025 erhielt Daniel Dorfmeister den Ceres- Award in der Kategorie „Junglandwirt“ vom führenden Fachmedium der deutschen Landwirtschaft „agrarheute“. Er freut sich. „Für ein Jahr bist du Botschafter der Bauern im deutschsprachigen Raum.“
Die Auszeichnung charakterisiert den tatkräftigen 28-Jährigen aus Aholming (Kreis Deggendorf) treffend. Doch sein Weg zum Vollerwerbslandwirt verlief nicht geradlinig. Dorfmeister sieht es als Vorteil: „Ich bin Quereinsteiger.“ Die Äcker der Familie wurden verpachtet, als Daniel Dorfmeister acht war, eine Charolais-Mutterkuh-Herde war eher Hobby als ein Betriebszweig. Während eine Bekannte dem 13-Jährigen prophezeite: „Wer einmal aufhört, fängt nie wieder an!“, attestierte ihm Mutter Inge: „Du willst Chef werden.“ Beides triggert den Jungen. Er will Verantwortung für Natur, Umwelt, Menschen und die Wertschöpfung in der Region übernehmen. Seine Eltern fördern diese Begeisterung und lassen ihn altersgemäße Projekte umsetzen. Nach der Ausbildung zum Landmaschinenmechatroniker 2016 wagt Dorfmeister den Sprung ins kalte Wasser des Landmaschinenvertriebs für einen John-Deere-Vertriebspartner. Dort lernt er zu verhandeln, sieht viele Betriebe. Vertriebs-Geschäftsführer Anton Loibl ist bis heute ein Gesprächspartner für ihn, wenn es um Kalkulation oder Finanzen geht. Nach einem IHK-Kurs zum Verkaufsberater, schließt der Aholminger 2020 das „Bildungsprogramm Landwirt (BiLa)“ am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landau ab. Da verkauft er neben Landmaschinen schon eigene Äpfel im Hofladen. Sein Motto ist „Learning by doing“. Er setzt auf frische Ideen statt tradierter Routinen und auf fachkundige Berater. Das Ziel: die regionale Direktvermarktung in Einzelhandel und Hofläden von Obst, das sich jeder leisten kann.
Bereits als Jugendlicher realisiert Dorfmeister, dass man die kleine Fläche der Familie effizient nutzen muss. Zündende Idee wird der Besuch einer Mini-Apfelplantage. Nach Versuchen mit 30, 50 und 120 Bäumen steigt er 2018 auf 1,2 Hektar mit 2.300 Apfelbäumen in den Plantagen-Erwerbsobstbau ein. Heute besitzt er 13.500 Kernobstbäume – Äpfel und Birnen – auf gut sechs Hektar rund um seinen Hof. Der Betrieb ist nach Global G.A.P.-Standard zertifiziert. Kürzlich kamen 400 Kirschbäume, 55 Zwetschgenbäume und 800 Töpfe mit Heidelbeeren hinzu. Er bewirtschaftet knapp 20 Hektar Fläche.
Bei der Recherche nach Sorten, Mengen und Best-Practice-Beispielen sucht er Rat bei Profis. So wie er als Teenie den Leiter der Plattlinger Globus-Markthalle ausfragte, so besuchte er Apfelanbauer am Bodensee und Birnenproduzenten in den Niederlanden. Die Offenheit und Kollegialität der Landwirte begeistern ihn. Er kalkuliert das lokale Klima ein und expandiert mit der ihm eigenen Ungeduld. Nach Erfolgen 2019 bepflanzt er 2020 mutig weitere 1,5 Hektar. Den Traum „Globus in Plattling soll meine Äpfel anbieten“ hatte er 2021 erreicht. Der Jungbauer lacht: „Schön blöd – dann brauchst neue Ziele.“ Mit dem eigenen LKW beliefert er heute rund 40 Globus-, Edeka- und Rewe-Märkte sowie Hofläden von Regensburg bis Passau.
Natürlich treiben ihn Sorgen um: fast siebenstellige Verbindlichkeiten, Kosten für Kühllager, Netze zum Schutz vor Hagel und Sonnenbrand, Schädlinge, Dokumentationspflichten, dringende Investitionen und zahlreiche Reglementierungen.
2022 übernahm Daniel Dorfmeister den Hof von den Eltern, hält seither 500 Legehennen im Mobilstall, verkauft Eier im Hofladen, an einen Bäcker und Metzger – ein zweites Standbein, das Vater Max betreut. Mutter Inge ist in die Imkerei eingestiegen – Honig für den Hofladen und fleißige Bestäuber. Auch Bruder Gerd ist einer der zehn (Teilzeit-)Mitarbeiter. Aktuell denkt der kreative Landwirt über Masthühner nach. Wichtig ist ihm der Aufbau seiner Marke. Dorfmeister soll nicht nur von August bis April für Tafeläpfel und -birnen aus Niederbayern und Marke für Eier stehen, sondern als „der Obsthof von nebenan“ auch als Freizeitziel wahrgenommen werden.
Der Spielplatz neben den Kirschen und Beeren zum Selbstpflücken und die Besucherterrasse dahinter stecken noch in den Kinderschuhen. Vielleicht findet sich eines Tages jemand, der hier ein Hofcafé betreiben möchte. Zukunftsmusik. Schon real sind Events und Führungen auf dem Hof, ein Kinderbüchlein über den Betriebsalltag und Social-Media-Auftritte. 2027 wird Dorfmeister wieder ein Maislabyrinth anbieten. All diese Aktivitäten begeisterten auch Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Verleihung des Ceres-Awards. Dorfmeister vermarkte „nicht nur Obst und Eier, sondern auch Begeisterung für die Landwirtschaft – genau so entstehen Verbindungen zu Kunden und Verständnis für unsere Branche.“