Konjunktur unter Druck

Infrastruktur als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit

von Christian Volkmer

Konjunktur unter Druck

Die wirtschaftliche Lage in Regensburg und der Oberpfalz bleibt herausfordernd. Die Konjunkturberichte unserer IHK im abgelaufenen Jahr ernüchterten: Die erhoffte Erholung blieb aus. So war der Konjunkturklimaindikator im Herbst 2025 auf 105 Punkte gefallen und signalisierte damit Stagnation. Während Dienstleister und Tourismus noch stabilisierten, war die Lage in der Industrie angespannt. Nur noch jedes fünfte Industrieunternehmen meldete gut gefüllte Auftragsbücher, die Investitionsbereitschaft sank. Eines ist auch im neuen Jahr klar: Um die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand langfristig zu sichern, müssen sich die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland dringend verbessern.

Erreichbarkeit sichern

Ein zentraler Hebel für unsere Wettbewerbsfähigkeit ist die Infrastruktur. Für einen Logistik- und Exportstandort wie Regensburg ist physische Erreichbarkeit essenziell. Der Ausbau und Erhalt der Verkehrswege ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Projekte wie die Regensburger Nordspange, die Ertüchtigung der Autobahnkreuze und der Bahnstrecken sind entscheidend, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Wir benötigen pragmatische Lösungen, die den Wirtschaftsverkehr effizienter machen und Staus vermeiden

Energie und Netze ausbauen

Auch bei der Energieversorgung drängt die Zeit. Die Unternehmen im Wirtschaftsraum Oberpfalz-Kelheim stehen bereit für die Transformation zur Klimaneutralität, scheitern aber oft an fehlenden Netzkapazitäten. Wir brauchen einen beschleunigten Ausbau der Stromnetze und Planungssicherheit. Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte müssen drastisch verkürzt werden. Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise sind Grundvoraussetzungen, um industrielle Wertschöpfung in der Region zu halten.

Digitalisierung und Bürokratieabbau

Unverzichtbar ist zudem eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Dabei stellen ein lückenloses Mobilfunknetz und Glasfasernetze bis in die Gewerbegebiete die Mindeststandards dar. Parallel muss die Verwaltung digitaler werden. Unsere Unternehmen leiden unter der überbordenden Bürokratie. Ein moderner Staat muss jedoch als Dienstleister fungieren: mit digitalen Antragsverfahren und schnellen Genehmigungen. Zeitverluste können wir uns im internationalen Wettbewerb nicht leisten.

Internationale Stärke nutzen

Eine große Stärke unserer Region bleibt ihre internationale Verflechtung und Diversität. Die qualifizierte Zuwanderung ist ein vitaler Bestandteil dieser Wirtschaftskraft. Viele Betriebe werden von Menschen mit Migrationsgeschichte geführt. Sie schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand. Angesichts des Fachkräftemangels sind wir mehr denn je auf Talente aus dem Ausland angewiesen. Eine gelebte Willkommenskultur und die zügige Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sind harte Standortfaktoren.

Fazit:

Handeln statt Verwalten

Die Botschaft der Wirtschaft ist klar: Wir brauchen verlässliche Leitplanken. Die Prioritäten müssen auf dem Ausbau der Infrastruktur – Verkehr, Energie, Digitales – und deutlich weniger Bürokratie liegen.
Wenn Politik und Verwaltung hier ihre Hausaufgaben machen, hat die Wirtschaft in Regensburg und der Oberpfalz beste Voraussetzungen, auch diese konjunkturelle Delle zu überwinden.

Über Christian Volkmer (Bild oben)

Christian Volkmer ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Die IHK vertritt die Interessen von rund 84.000 Unternehmen in der Region. Hauptberuflich ist der Regensburger Unternehmer Inhaber und Geschäftsführer der P29 Group, einem spezialisierten Beratungsunternehmen für Compliance, Datenschutz und Informationssicherheit. Volkmer engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Ostbayern.

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