Neue Möglichkeiten zum Vermögensaufbau

Kryptowährungen ergänzen das klassische Bankengeschäft und den Zahlungsverkehr

von Gertraud Wittmann

Die Digitalisierung der Finanzwelt schreitet voran. Wer sich jetzt informiert, kann Chancen früh erkennen und Risiken besser einschätzen. Die Bedeutung von Kryptowährungen wächst stetig. Innovative Finanzhäuser, Technologieunternehmen und Start-ups in Bayern sind sehr aktiv in diesem Bereich. Doch wie sicher sind die digitalen Coins?

Kryptowährungen sind rein virtuelle Werte, die auf einer dezentralen Technologie – der sogenannten Blockchain – basieren. Diese ermöglicht es, Transaktionen direkt von Person zu Person durchzuführen, ohne dass eine zentrale Instanz wie eine Bank, Notenbank oder ein vermittelndes Institut benötigt wird. Der wesentliche Unterschied zu klassischen Währungen wie dem Euro liegt darin, dass Kryptowährungen nicht von einer staatlichen Institution herausgegeben werden, sondern durch ein Netzwerk von Computern verwaltet werden. Bitcoin (BTC) ist dabei die bekannteste und älteste dieser digitalen Währungen.

Die Blockchain dokumentiert, wie ein digitales Register, Transaktionen fälschungssicher. So ist erstmals ein globaler, dezentraler Datenaustausch und damit auch der Tausch digitaler Werte über Ländergrenzen hinweg möglich: rasch, transparent und nachvollziehbar. Mittlerweile existieren tausende Kryptowährungen. Das Handelsblatt listet im Januar ausgehend von der Marktkapitalisierung nach Bitcoin unter anderem Ethereum (ETH), Tether (USDT), Binance Coin (BNB), Ripple (XRP), Solana (SOL) und USDC (USDC) auf. War zu Beginn der Kryptografie vor gut 15 Jahren noch die Rede von einer digitalen Geldbörse, einer Wallet, mit der man im Einzelhandel bezahlen kann, sehen nun Experten wie der Vorstandsvorsitzende der VR Bayern Mitte, Andreas Streb, Bitcoin als neue Form digitaler Werterhaltung – ähnlich wie Gold im digitalen Raum, als langfristige, begrenzte Ressource. Zumal der mysteriöse Schöpfer von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, das System auf 21 Millionen Coins begrenzt hat. Technologische Lösungen wie das Lightning Netzwerk, das direkte Zahlungskanäle außerhalb der Haupt-Blockchain nutzt, ermöglichen bereits Zahlungen in Echtzeit.

Beispiele für Kryptobörsen sind Bitpanda – das man aus der Werbung mit Thomas Müller kennt – ebenso wie Bitvavo, Kraken, Binance, Coinbase und 21bitcoin. Zahlungsverkehrsdienstleister für 21bitcoin ist die VR Bayern Mitte. Auch Online Broker, die vor allem mit Aktien und ETFs handeln, bieten Cyberdevisen an. Das einfache Handling von Neobroker-Plattformen und deren Apps soll Anlegern den Einstieg in den Kryptomarkt erleichtern. Denn wer sich erstmals mit dem Thema beschäftigt, bekommt das Gefühl, Kryptowährungen seien ein eigenes Universum, gespickt mit Fachbegriffen.

Zur Regulierung hat das Europäische Parlament 2023 eine Verordnung über Märkte für Kryptowerte (Markets in Crypto-Assets Regulation – MiCAR) beschlossen. Sie unterscheidet zwischen der Emission von Kryptowerten und den damit verbundenen Dienstleistern (Crypto Asset Service Provider – CASP).

In Deutschland reguliert und kontrolliert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über MiCAR-Lizenzen den sicheren Umgang mit Kryptowerten. Zum 14. Januar 2026 hatte die BaFin 43 Lizenzen an Kredit- und Wertpapierinstitute, E-Geld-Institute, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Kryptowerte-Dienstleister vergeben, zehn davon in Bayern.

Als erste bayerische Genossenschaftsbank erhielt am 5. November 2025 die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eine MiCAR-Lizenz. Vorstandsvorsitzender Andreas Streb hat sich tief in die Materie eingearbeitet. Seine Bank bietet Informationsgespräche zu Bitcoin an. Kryptowährungen bilden für ihn eine Ergänzung des bestehenden Finanzsystems, die neue Möglichkeiten zum Vermögensaufbau, im Zahlungsverkehr und als technologische Innovation eröffnet. In puncto Sicherheit, Regulierung und Kundenberatung, sieht er Banken in einer zentralen Rolle: „Unser Ziel als Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte ist es, beide Welten sinnvoll zu verbinden.“ Über Partnerangebote bietet die Bank ihren Kunden KryptoDienste wie Verwahrung und Handel an.  Mit 3.000 Besuchern war es 2025 die größte BitcoinVeranstaltung im deutschsprachigen Raum.

Für Anleger kann Bitcoin eine neue Anlageklasse zur Diversifikation und zur langfristigen Wertaufbewahrung sein. Mittelständische Unternehmen können zudem vom Innovationsimpuls im Zahlungsverkehr profitieren. Andreas Streb und seine Kollegen prüfen aktuell die Eignung von Bitcoin als Kreditsicherheit. Spekulative Risiken entstünden, wenn Investitionsentscheidungen ohne Strategie oder Marktverständnis getroffen würden, warnen sie. Wer sich frühzeitig mit den Grundlagen befasst – nicht, um sofort zu investieren – könne Entwicklungen besser beurteilen. Information und fachliche Begleitung sind jedoch essenziell.

Digitales Geld – Risiken durch Trittbrettfahrer

Die dunkle Seite der Kryptowährungen

Kryptowährungen wie Bitcoin polarisieren. Während Befürworter glauben, dass die Blockchain das Fundament für den Finanzmarkt der Zukunft ist, sprechen Kritiker Bitcoin und Co. jeden intrinsischen Wert ab. Ihr Handel beruhe auf dem „Greater Fool“-Phänomen und es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Spekulationsblase platze. Marc Rieger, Pressesprecher der VR Bayern Mitte erklärt: „Bitcoin ist kein klassisches Anlageprodukt, das durch Unternehmensgewinne oder Dividenden gestützt wird. Sein Wert entsteht aus Vertrauen, Knappheit und Akzeptanz im Netzwerk.“

Betrüger und Gauner nutzen Lücken aus

Im Alltag und der Tagespresse begegnen Menschen dem Wort Krypto vor allem in Horrormeldungen. Immer wieder bringen Investmentbetrüger gutgläubige Anleger fernab des regulierten Handels um ihr Geld, gaukeln zunächst immense Gewinne vor und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sind sich deutsche Sicherheitsbehörden sicher, dass Russland die 2025 abgeschaltete Kryptobörse Garantex als Werkzeug im hybriden Krieg gegen den Westen nutzte. Ermittlungen würden belegen, dass Verbrecherorganisationen diese Kryptobörse nutzten, um Geld zu waschen, so etwa die berüchtigte Hackertruppe Lazarus aus Nordkorea.

Der Bitcoin scheint nach wie vor ein beliebtes Zahlungsmittel im sogenannten Darknet – die Transaktionen lassen sich nicht einfach zurückverfolgen. Um gerade diesen Auswüchsen einen Riegel vorzuschieben und eine wirtschaftlich sinnvolle Entwicklung zu ermöglichen, ist ein stabiler regulatorischer Rahmen nötig, als Grundvoraussetzung für Vertrauen und Wachstum in diesem Markt. Die MiCAR-Verordnung der EU ist dabei ein entscheidender Schritt. Sie definiert, wer Kryptodienstleistungen anbieten darf, wie Kundengelder geschützt werden und welche Informationspflichten bestehen. „Nur mit solchen Standards können sich Kryptoanlagen langfristig als anerkannte Anlageklasse im Finanzsystem etablieren“, betont Marc Rieger.

Trittbrett Meme-Coins – Betrügerische Schneeballsysteme

2017 bezeichnete Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters BlackRock, den Bitcoin als Mittel zur Geldwäsche. Auch Donald Trump gehörte damals zu den Skeptikern. Inzwischen hat der amerikanische Präsident im Wahlkampf Krypto-Spenden angenommen und mit seiner Gattin die Meme-Coins $TRUMP und $MELANIA herausgegeben. Meme-Coins sind im Gegensatz zu Bitcoin vergleichbar mit digitalen Sammelbildchen. Im Fachsprech: „digitale Tokens (=digitale Wert- oder Besitzmarken)“ ohne eigene technologische Basis oder wirtschaftlichen Nutzen, meist ein Internetphänomen, das auf Spekulation basiert. Bitcoin hingegen ist ein dezentrales, unabhängiges Netzwerk mit klaren mathematischen Regeln und globaler Verbreitung. Zwischen beidem besteht ein fundamentaler Unterschied – vergleichbar mit einer Aktie eines globalen Unternehmens und einem einmaligen Online-Trend.

„Meme-Stocks“ bedienen oft einen Hype, um schnelle Gewinne zu erzielen und Investoren anzulocken. Wer sich nicht genauer mit dem Thema beschäftigt, könnte auch auf Nachahmer-Coins & Projekte hereinfallen: Projekte, die eine Ähnlichkeit zu erfolgreichen Kryptowährungen vortäuschen.

Unabhängig von Banken und Vermittlern

Eine eigene Wallet ermöglicht volle Kontrolle über die digitalen Werte – das ist ein Vorteil, insbesondere im internationalen Zahlungsverkehr: rasch, bequem, direkt und automatisierbar. Auf der anderen Seite trägt man die komplette Verantwortung für die sichere Aufbewahrung, etwa auch für den Schutz vor Hackern. Geht der Zugang verloren, sind die Werte unwiederbringlich verloren. „Bei Nutzung einer eigenen Wallet macht es Sinn, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen oder sich beraten zu lassen“, sagt Marc Rieger.

Der Verbrauch von (zunehmend grüner) Energie

Je nach Einstellung prangern Gegner den extremen Energieverbrauch beim Mining, dem Errechnen der digitalen Münzen an. Fans sehen dagegen bei gezieltem Mining mit überschüssigem grünem Strom Vorteile: bei sonnigem oder windigem Wetter würden die Anlagen sonst abgeregelt. Auch Methangas, das die Öl-, Gas- oder Müll-Industrie weltweit oft aufgrund fehlender Infrastruktur ohne Energiegewinnung abfackelt (Flaring) und dabei CO2 freisetzt, kann beim Mining an jedem Ort der Welt genutzt werden.

Bitcoin-Miner haben einen Anreiz, die günstigste verfügbare Elektrizität zu nutzen, egal wo. „Grünes“ Krypto-Mining hat bereits in abgelegenen Regionen Costa Ricas oder in Texas/ USA Energiequellen erschlossen und kann zur Netzstabilität beitragen. Zwar besteht die Gefahr, dass dies Investitionen in Speicher und Netzausbau und damit allgemein die Energiewende verzögert, weshalb die Debatte um die „echte“ Nachhaltigkeit andauert. Zumindest in Texas hat der Energiehunger, den unter anderem das Mining auslöst, zum Ausbau erneuerbare Energien beigetragen. Wichtig zu unterscheiden ist hier der Mechanismus, der für das gültige Errechnen der Kryptowährungen verwendet wird. Während für Bitcoin (Proof-of-Work) enorme Mengen an Energie nötig sind, verbrauchen moderne Netzwerke wie Ethereum 2.0 (Proof-of-Stake/PoS) „nur“ noch rund ein Prozent davon. PoS-Währungen verfolgen demnach einen nachhaltigeren Ansatz.

Marc Rieger gibt jedoch zu bedenken: „Bitcoin gilt als technologisch stabilste, am weitesten verbreitete und akzeptierte Kryptowährung. Sie ist die einzige wirkliche dezentrale Blockchainanwendung, die ohne Zentrale oder Unternehmen funktioniert. Alle anderen Kryptowährungen sind eher mit Wertpapieren vergleichbar und mehr oder weniger zentrale Strukturen.“

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen. Und nicht zu vergessen: Mining fällt in Deutschland unter das Gewerberecht. Gewinne müssen versteuert werden, unter Umständen muss eine gewerbliche Tätigkeit angemeldet werden. Innovative Modelle, bei denen Mining-Anlagen direkt an Solarparks, Windkraftanlagen oder Industriegebiete angeschlossen sind und überschüssige Energie nutzen, können jedoch rentabel sein. Deutschland, das jährlich große Mengen erneuerbarer Energie ungenutzt lässt, bietet hier langfristig ein enormes Potenzial. Unternehmen wie Terahash.Energy aus Augsburg bieten bereits im bayerischen Raum innovative Lösungen ungenutzte erneuerbare Energien im Mining zu verwenden. Die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte hat das Start-up in einer strategischen Kooperation begleitet.

Kryptowährungen gelten als hochspekulative, volatile Anlageklasse. Wohl gerade darum elektrisieren sie die Finanzwelt. Die bekannteste Kryptowährung Bitcoin schwankte nach einem Allzeithoch im Oktober 2025 mit 125.000 US-Dollar im Januar 2026 um die 90.000 US-Dollar-Marke – ein Viertel weniger. Dennoch hat Bitcoin einen Marktanteil von etwa 57 Prozent unter den digitalen Währungen. Anleger sollten auf Anbieter setzen, die durch eine MiCAR-Lizenz von der BaFin reguliert und kontrolliert werden, dabei jedoch insbesondere die Übertragbarkeit auf andere Wallets, Kosten und Leistungsspektrum vergleichen.

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